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Feministische Anthropologie des Ersten Testaments. Beobachtungen, Fragen, Plädoyers
Vor wenigen Wochen ist das Buch „Körperkonzepte im Ersten Testament. Aspekte einer Feministischen Anthropologie“ erschienen, geschrieben von den sozialgeschichtlich orientierten Exegetinnen des Hedwig-Jahnow-Projektes. [1] Einmal mehr erweist sich an dieser Publikation die Reichhaltigkeit und Innovationskraft der feministischen Exegese gerade des deutschsprachigen Raums. Ich möchte im Folgenden das ausserordentlich gehaltvolle und den Fachdiskurs mit vielen neuen Aspekten weiterführende Buch nicht besprechen, sondern angeregt durch diese Publikation einige Gedanken zur biblischen Anthropologie aus feministischer Sicht weiterführen, die ich in früheren Veröffentlichungen angedeutet habe. [2] Droht das Auseinanderfallen der postmodernen
und befreiungstheologischen Körperdiskurse? Kann eine feministisch-biblische Anthropologie
auf der Basis von hebräischen Schlüsselbegriffen aufgebaut werden? 1. Grundbegriffe der biblischen Anthropologie
wie leb und næfæs] bieten einen valablen Zugang zum Menschenbild
der altisraelitischen Kultur, wenn man nicht der Gefahr verfällt, die
sichtbar werdende Gesamtheit als System statt als ein an den Rändern
durchaus offenes Gesamtbild innerhalb noch größerer Gesamtbilder anzusehen.
Die hebräischen Schriften entstammen nicht alle denselben Jahrhunderten
und VerfasserInnengruppen, aber doch einem gemeinsamen Kulturkreis und
zwar einem Kulturkreis, der nachweislich sehr große Konstanten über
lange Zeiträume aufweist, z.B. in den Themen der Kunst. Niemand würde
in Frage stellen, dass es möglich ist, aufgrund der alt- oder mittelhochdeutschen
Literatur über das Menschenbild der zugehörigen Epochen Aussagen zu
machen. Auch im Lexikon der Ägyptologie [10] finden sich ganz selbstverständlich
die Artikel „Anthropologie, religiöse“, „Mensch“, aber auch terminologische
Beiträge zum Ka, zum Ba usw. Nur reichen terminologische Zugänge nicht
aus. Bei aller Betonung der Akzente und spezifischen Bedeutungsnoten
eines Wortes in einem ganz bestimmten Text ist die Erschließung von
Grundbedeutungen möglich und richtig. Wenn das Bedeutungsspektrum eines
Begriffes wie næfæs] bekannt ist,
kann eine Art Kernbedeutung eruiert werden, und das wiederum ermöglicht,
im Einzelfall eine Akzentuierung oder auch Abweichung festzustellen.
Gewiss ist das ein hermeneutischer Zirkel, aber einer, dem wir nicht
entrinnen. 2. Es ist richtig, dass man mit Terminologien allein keine Theologie und schon gar nicht Verkündigung betreiben kann. Sprachen sind logisch, aber sie funktionieren nicht nach einer mathematischen Logik, weshalb statistische Wortuntersuchungen nur einen sehr begrenzten Wert haben. Tatsächlich kann die Bedeutung eines Wortes an zehn Textstellen die Bedeutung bei der elften Stelle nicht sicher festlegen. Wie gefährlich solch ein Vorgehen ist, zeigen beispielsweise die Debatten über die Bedeutung von ’ahab und anderer hebräischer Wörter im Kontext der Saul – David – Jonatan – Beziehungen. Mit reiner Wortstatistik bekämpfen die ideologischen Gegner von biblischen Männerfreundschaften die Möglichkeit, dass ’ahab und andere Begriffe in diesen Texten eine erotische Komponente haben könnte. [12] Da wird die Statistik zur ideologischen Waffe. ’ahab ist aber wie das deutsche Wort »lieben« ein weiter Begriff, der viele Nuancen erlaubt, die vom Kontext gegeben werden. Eine mögliche Akzentuierung ist die erotische. Wenn man mit der überwältigenden Menge von unerotischen ’ahab -Vorkommen im Hebräischen gegen die Erotik der Männerbeziehungen in den Samuelbüchern argumentiert, so ist das methodisch und hermeneutisch sehr fragwürdig. [13] 3. Es geht bei der Kritik am griechisch-abendländischen Denken weder um die Abrechnung mit einer Kultur, die uns schwierige Erbschaften hinterlassen hat, noch um eine neue Variation eines romantischen Orientalismus, sondern um die kritische, auch feministisch-kritische Analyse und Infragestellung eines im Abendland dominierenden Denksystems, das gerade im Hinblick auf die körperliche Dimension des Menschseins sehr problematische Dualismen und Dichotomien geschaffen hat. Homer und Hesiod sind beispielsweise in ihrem Denken noch ausgeprägte Orientalen, und auch das hellenistische Judentum lässt sich nicht einfach der griechischen Tradition zuordnen. Solche historisch wichtigen Differenzierungen bei der Rede von der griechischen Tradition tangieren jedoch die abendländische Rezeptionsgeschichte des griechisch-philosophischen Denkens kaum. Die Vorsokratiker, Plato, Aristoteles haben gerade in der Schaffung von Begrifflichkeiten über die Scholastiker eine ungeheuer große Wirkung entfaltet. Hat das israelitische Menschenbild
keine kerygmatische Bedeutung? Bezüglich der Schöpfungstraditionen ist inzwischen eine Revision im Gang, die schon der späte Gerhard von Rad eingeläutet hatte. Israel hatte einen eigenen, nicht nur entliehenen Schöpfungsglauben. Auch das Menschenbild Israels ist aber mit seinem Glauben engstens verbunden, es ist nicht als etwas Fremdes aus der Umwelt entliehen, es überschneidet sich nur zu sehr großen Teilen mit den Vorstellungen der Nachbarkulturen. Wenn das so ist, dann steckt natürlich auch in dem kulturell, ja gemeinorientalisch geprägten Menschenbild, eben dem Teil, der u.a. in den Schlüsselwörtern sichtbar wird, potentiell ein kerygmatischer Teil. „Der Same der göttlichen Offenbarung ist nicht allein auf jüdischen Boden ausgestreut worden“, wie Gunkel im Anschluss an Origenes und Eusebius postulierte. Wir sollten daher auch den großen Nachbarreligionen Israels mit einem gewissen Maß an Pietät gegenübertreten. Menschenbilder antiker Kulturen könnten, indem sie bewahrt worden sind, tatsächlich eine Botschaft an spätere Kulturen formulieren, vielleicht auch einmal den Aufruf zur heilsamen, zur korrigierenden Erinnerung. Die biblische Tradition mitsamt ihrem kulturellen Umfeld ist, was die Anthropologie betrifft, kerygmatisch nutzbar. Diese Kulturen unterstützen uns Feministinnen, nicht weil sie besonders frauenemanzipatorisch gewesen wären, sondern durch ihre befremdende Kraft, indem sie uns helfen Denkschemata zu durchbrechen. In ihrem Erbe stecken bisweilen Weisheiten, die heute Schritt um Schritt von den empirischen Wissenschaften erst zurückgewonnen werden, z.B. von der Psychosomatik, oder von der Neurologie. Um zu erkennen, was Israel mit seinen Nachbarn an Vorstellungen teilt, muss man also den größeren Kulturkreis kennen. Nicht die propagandistisch-biblischen Kategorien von Israel einerseits und den Völkern andererseits können dabei zugrundegelegt werden, sondern es sollen unter Berücksichtigung möglichst aller zur Verfügung stehenden Quellen geographische, geschichtliche, wirtschaftliche, politische, soziale, geschlechts- und rollenspezifische Lebenskontexte erschlossen werden. Eine Aufgabe ist, die hebräischen Terminologien im ausgeweiteten Kulturraum zu verorten, einerseits sprachlich, wobei vor allem natürlich die westsemitischen Sprachen relevant sind, aber auch nach Kontinuität und Ähnlichkeit zwischen sumerischen und hebräischen oder ägyptischen und hebräischen Wortfeldern gefragt werden soll, andererseits bildhaft, also in Bezug auf die Bildkunst Palästinas/Israels und der großen Nachbarkulturen. [17] Einen Vergleich zwischen der israelitischen und zeitgleichen oder traditionellen ägyptischen Anthropologie [18] hat m.W. noch niemand unternommen. Darüber hinaus ist es immer, besonders aber auch im Blick auf Genderfragen außerordentlich aufschlussreich, Text- und Bildbefunde als Ganze nochmals in ihren Aussagen miteinander zu konfrontieren oder sie zu vergleichen. Weder »mind and body« noch »Körper,
Seele, Geist« |
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| Der Sitz des Denkens ist das Herz Ich rekurriere für die sumerische Sprache auf einen detaillierten Beitrag von Julia M. Asher-Greve über „The Essential Body: Mesopotamian Conceptions of the Gendered Body“. [19] In ihrem Artikel weist sie nach, dass die griechisch-abendländische Spaltung von Geist und Körper mitsamt ihren Gendervorzeichen (Mann = Geist und Frau = Körper) für das alte Mesopotamien überhaupt nicht zutrifft. Sumerisch s]u und s]u-bar bezeichnen sichtbare Körper, z.B. eines Königs, einer Gottheit, einer Stadt, eines Landes. Das Wort kann auch »nackt« oder »Bild« bedeuten. Sumerisch s]a bedeutet eigentlich Herz und steht dann für innere Organe, aber auch Sinnen, Planen, Begehren und die Mitte also ganz wie im Hebräische leb. Wissen und Fühlen wurde dort verankert. [20] Es gibt keinen sumerischen Begriff für Geist oder Denken. Weisheit hat im Sumerischen mehr mit Hören zu tun. Der Kernbegriff s]a bezeichnet nicht etwas im Körper, sondern das Zentrum einer Geist-Körper-Einheit. Diese Ganzheit spiegelt sich in den sumerischen Schöpfungserzählungen, insofern die Menschenerschaffung in einem einzigen Akt geschieht. Sehr ähnlich wie im Sumerischen sind die Vorstellungen, die sich im Akkadischen vor allem mit libbu und einigen teilsynonymen Begriffen verbinden. [21] In Ägypten spielt das Herz ebenfalls eine zentrale Rolle in der Anthropologie. [22] Es ist der Sitz des Denkens und Planens, aufgrund dessen aber auch des Gemütes, der emotionalen Befindlichkeiten usw. Es verarbeitet die Sinneswahrnehmungen und leitet seine Erkenntnisse allenfalls weiter bis zur Zunge. Dieser Zusammenhang ist der Grundgedanke des Denkmals memphitischer Theologie, in dem die ganze Schöpfung aus dem einen Ptah nach einem anthropologischen Modell beschrieben wird. [23] Stärker als im Hebräischen ist für das ägyptische Herz die Bedeutung »Gewissen« anzunehmen. Im Totengericht sagt das Herz zu Gunsten oder zu Ungunsten seines Besitzers oder seiner Besitzerin aus. Es ist das Herz, das auf der Waage gegen die Maat aufgewogen und allenfalls in den Schlund der Totenfresserin geworfen wird. Während bei Homer und Hesiod mit dem menschlichen Herz noch sehr ähnliche Vorstellungen wie im hebräischen Sprachgebrauch verbunden sind, gab es in der späteren Tradition zwei Hypothesen zum Sitz des Denkens. Alkmaion von Kroton, die Hippokratiker und Platon nahmen an, dass der vernunftbegabte Seelenteil im Gehirn angesiedelt sei, während die sizilische Ärztetradition, Aristoteles und die Stoiker die Seele und die Denkkraft weiterhin im Herz verorteten. [24] Aristoteles hat in seiner Schrift „Partes animalium“ (686a.27-31) ausgeführt, dass der Mensch, seinem Wesen nach göttlich, von den Göttern durch den aufrechten Gang vor allen Tieren bevorzugt worden sei. Da es die Aufgabe des Göttlichen sei, zu denken und intelligent zu sein, wäre ein nicht aufrechter Gang ganz hinderlich, weil dann ein schwerer Oberkörper darauf – er meinte auf dem Herzen – liege, was die Denkkraft (dianoia) und das Bündeln der Sinneswahrnehmungen lähme. [25] Männerkopf und Frauenkörper – der Kontrast bedeutete also in der Antike nicht dasselbe wie heute. Der Kopf betont in den Bildern wie auch in der hebräischen Sprache (ros]) eher patriarchale, herrschaftliche Aspekte im Sinn von Oberhaupt, vielleicht auch die Ehre eines Mannes, eines pater familias oder einer ganzen Sippe. Er repräsentiert jedenfalls als pars pro toto eine einzelne oder kollektive Körperschaft bzw. deren Vertreter. [26] Wenn der männliche Kopf nicht Verstand und Denken symbolisiert, dann ist auch die Bedeutung des weiblichen Körpers möglicherweise eine andere als die von uns modernen, westlichen Frauen angenommene. Steht der Symbolik von Macht (und Ehre?) des männlichen Hauptes der verfügbare, grundsätzlich ehrlose weibliche Körper gegenüber? Oder eine andere Art von sozialer Macht? Noch kann diese Frage nicht beantwortet werden. Der Unterschied zwischen männlicher
und weiblicher Nacktheit in der Kunst des Vorderen Orients und in
biblischen Texten Zwischen dem ikonologischen Befund der
Bildkunst und der Bedeutung von Nacktheit in den biblischen Texten
gibt es durchaus Vergleichbares, aber auch Unterschiede. Das hebräische
Wort ‘arom bedeutet bloß, ohne Status. Nackt und ohne Status
kommt ein Säugling auf die Welt, und ebenso nackt geht der Tote
wieder zurück in die Erde (Ijob 1,21). Kleider und ggf. Schmuck
brachten hingegen die gesellschaftliche Stellung eines Menschen
zu Lebzeiten zum Ausdruck. Arme waren gezwungen, nackt herumzulaufen
(Ijob 24,7). Groß war die Erniedrigung durch aufgezwungene Nacktheit.
Kriegsgefangene wurden ohne Kleider und barfuß abgeführt, die Frauen
der Besiegten entblößt (Nahum 2,8) und geschändet. Mit einem solchen
Schicksal drohten die Propheten häufig dem Volk Israel (Jesaja 20,2-4;
Hosea 2,5; Ezechiel 16,39; 23,10.39; Nahum 3,5). Die Entblößung
von Männern z.B. in Trunkenheit wurde als beschämend empfunden (Genesis
9,22f). Entblößung von Frauen als Schändung wird bei Ezechiel erschreckend
lustvoll ausgemalt. Hier wird das in der Bildkunst positive Bild
der erotisch oder gar sexuell auffordernden Frau politisch metaphorisch
eingesetzt und dabei polemisch-karikierend gekippt. Es kennzeichnet
das politische Prostitutionsverhalten von Städten bzw. ihren Bevölkerungen
oder Machthabern. Nach diesen Beispielen, die die Notwendigkeit der Vernetzung feministisch-biblischer Anthropologie in den Disziplinen aufzeigen sollten, möchte ich abschließend noch in einem eher stichwortartigen Ausblick Bereiche benennen, die für feministische Fragen nach den biblischen Körperkonzepten besonders verheißungsvoll scheinen. Die offenen Grenzen der Leiber [1] Hedwig-Jahnow-Forschungsprojekt (Hg.), Körperkonzepte im Ersten Testament. Aspekte einer Feministischen Anthropologie, Stuttgart 2003. Der vorliegende Beitrag geht zurück auf den Festvortrag am Marburger Symposion anlässlich der Vernissage des Buches (16.-17. Mai 2003). [2] Die Habilitationsschrift von Renate Jost „Aus der Wildnis. Feministisch-exegetische Studien zum Verhältnis von Gender, Sexualität und Macht in der Anthropologie des Richterbuches“ (Neuendettelsau 2002) stellt eine höchst spannende Verbindung zwischen einem biblischen Buch und Ansätzen der ethnologischen Anthropologie her (vgl. dazu Henrietta L. Moore, Mensch und Frau sein. Perspektiven einer feministischen Anthropologie, Gütersloh 1990; Gabriele Rippl (Hg.), Unbeschreiblich weiblich. Texte zur feministischen Anthropologie, Frankfurt a.M. 1993. [3] Vgl. Dorothea Dornhof, Artikel „Körper als kulturelle Konstruktion“, in: Elisabeth Gössmann u.a. (Hg.), Wörterbuch Feministischer Theologie, Gütersloh 2. Auflage 2002, 339-341. [4] Vgl. den Ansatz feministischer Befreiungstheologie, wie er dargestellt ist in: Andrea Blome, Frau und Alter. „Alter“ – eine Kategorie feministischer Befreiungstheologie, Gütersloh 1994, bes. 14-19. [5] Elisabeth Gössmann u.a. (Hg.), Wörterbuch Feministischer Theologie, Güttersloh 2. Auflage 2002, 331-343. [6] Auch den Herausgeberinnen und Autorinnen des neueren Buches „KörperSinnE“ ist diese Gratwanderung zwischen Diskurs und Erfahrung gelungen: Béatrice Bowold u.a. (Hg.), KörperSinnE. Körper im Spannungsfeld von Diskurs und Erfahrung (gender wissen 2), Bern/Wettingen 2002. [7] Anna Kiesow, Auf der Suche nach dem Menschen. Forschungsüberblick zu „Anthropologien des Alten Testaments“, in: Hedwig-Jahnow-Forschungsprojekt (Hg.) 2003, 29-41, Zitat 35. [8] James Barr, The semantics of biblical language, London 1961 (deutsch: Bibelexegese und moderne Semantik. Theologische und linguistische Methode in der Bibelwissenschaft, München 1965). [9] Vgl. zum Folgenden Silvia Schroer / Thomas Staubli, Die Körpersymbolik der Bibel, Darmstadt 1998, bes. 17-20. [10] Wolfgang Helck / Eberhard Otto u.a. (Hg.), Lexikon der Ägyptologie, Bde. 1-7, Wiesbaden 1975-1992. [11] Vgl. den Forschungsbericht von Julia Müller-Clemm, Archäologische Genderforschung: (K)ein Thema für die Palästina-Archäologie? Ein Forschungsüberblick mit Beispielen zur ‘Archäologie des Todes’, in: lectio difficilior 2/2001 (www.lectio.unibe.ch/01_2/mc.htm) [12] Vgl. beispielsweise Markus Zehnder, Exegetische Beobachtungen zu den David-Jonathan-Geschichten: Biblica 79 (1998), 153-179. [13] Vgl. Silvia Schroer / Thomas Staubli, »Jonathan aima beaucoup David«. L’homoérotisme dans les récits bibliques concernant Saul, David et Jonathan: Les Cahiers bibliques de »Foi et vie« 99,4 (2000), 53 – 64, sowie Martti Nissinen, Die Liebe von David und Jonatan als Frage der modernen Exegese: Biblica 80 (1999) 250-263. [14] Vgl. ausführlicher den Forschungsbericht von Silvia Schroer / Othmar Keel, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Freiburg CH/Göttingen 2002, 15-29. [15] Gerhard von Rad, Theologie des Alten Testaments, Bd. 2, München 1960, 71980, 369f. [16] Brevard S. Childs, Die Theologie der einen Bibel, Bd. 2, Hauptthemen, Freiburg i.Br. 1994/Darmstadt 2003, 271f. [17] Texte und Bilder sind gleichermaßen verdächtig, weniger deskriptiv zu sein als sie vorgeben. Sie transportieren Ideologien, sie stellen Performationen dar, sie könnten sogar in manchen Fällen präskriptiv sein. Auch die älteste und einfachste Kunst der Menschheit ist nicht naiv. Sex und Gender werden übrigens in der Bildkunst von den Anfängen an unterschieden. Viel häufiger als durch primäre Geschlechtsmerkmale sind Männer und Frauen durch Haartracht, Kleidung, Gesten und Rollen erkennbar. In Ägypten wurden männlich konnotierte Rollen wie das Niederschlagen der Feinde problemlos auf eine Pharaonin wie Hatschepsut übertragen, und die Totenbücher lassen auch Frauen als Osiris im Totenreich erstehen. [18] Vgl. zum ägyptischen Menschenbild Siegfried Morenz, Gott und Mensch im alten Ägypten, Leipzig 1964, Zürich/München 21984. Anders als die IsraelitInnen haben die ÄgypterInnen offenbar schon sehr früh den Menschen als eine komplexe Einheit von verschiedenen Personenaspekten verstanden, darunter Ka, Ba und Ach. Der Schöpfergott Chnum erschafft das Königskind und seinen Ka. In der Totenwelt existieren die Verstorbenen als Ba-Vögel, als Seelenwesen, die aber auch essen und trinken müssen. In Ägypten hat man mit einem Weiterleben nach dem Tod gerechnet und dafür alle verfügbaren Ressourcen eingesetzt. Der tote Körper musste für das ewige Leben mit allen Mitteln bewahrt und durch Zauberkräfte geschützt werden. Er vereinigte sich dann beim Begräbnisritual, der Mundöffnung, wieder mit seinem Ka. Das Leben im Jenseits ist ein verklärtes Dasein, aber dem irdischen Leben sehr ähnlich. Es wird gearbeitet und gegessen, die Beziehungen, z.B. eine Ehe, bleiben bestehen. Eine eigentliche Trennung von etwas Geistigem und dem Körper gibt es also auch hier nicht. Die Person braucht zum Personsein unbedingt, sogar postum, ihren Körper. [19] In: Maria Wyke (ed.), Gender and the Body in the Ancient Mediterranean, Oxford 1998, 8-17. Die sumerische Sprache kennt kein grammatikalisches Geschlecht. In der Schrift werden menschliche Körper gekennzeichnet: 1) als Geschlecht durch Genitalien, Brüste, Bärte 2) durch Gendermarkierungen wie Kleider, Haartracht, usw. 3) als asexuell oder uneindeutig lu = Person, nita (Penis) = Mann, munus (Vulva) = Frau Der Oberbegriff Mensch ist also nicht geschlechtsspezifiziert, er geht dem Geschlecht voraus. Bei Übersetzungen müsste lu immer geschlechtsneutral wiedergegeben werden. Im Hebräischen ist das bekanntermaßen anders. ’adam ist ein Oberbegriff, der aber zu wenig deutlich von ’is] unterschieden wird. [20] (me-)dim bezieht sich auf die Form und Gestalt, es stammt wie hebr. jsr aus der Handwerkersprache und meint das geschaffene, künstlerisch geformte Objekt, eben auch, vor allem in Schöpfungserzählungen, den geschaffenen menschlichen Körper. [21] R. Labat, Artikel „Herz“, in: Reallexikon der Assyriologie 4, 367f. [22] Helmut Brunner, Art. „Herz“, in: Lexikon der Ägyptologie II 1158-1168; vgl. ders., Das hörende Herz. Kleine Schriften zur Religions- und Geistesgeschichte Ägyptens, hg. von W. Röllig (Orbis Biblicus et Orientalis 80), Freiburg CH/Göttingen 1988. [23] Vgl. Keel/Schroer 2002: 170-173; neueste Übersetzung in: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Ergänzungslieferung, Gütersloh 2001, 166-175. [24] Johannes B. Bauer, Art. Herz, Reallexikon für Antike und Christentum 14, 1099f. [25] Othmar Keel, Die Tiere und der Mensch in Daniel 7, in: Othmar Keel/Urs Staub, Hellenismus und Judentum. Vier Studien zu Daniel 7 und zur Religionsnot unter Antiochus IV. (Orbis Biblicus et Orientalis 178), Freiburg CH/Göttingen 2000, 1-35, bes. 26f. [26] Vgl. Keel / Schroer 1998, bes. 53f. [27] Sprachlich haben sich Zusammenhänge dieser frühen Epoche bis in die biblische Zeit bewahrt. Hebräisch ’ajil bedeutet »Widder«, aber auch Gewalthaber (Exodus 15,15; Ezechiel 17,13), ‘attud bezeichnet den Ziegen- oder Schafbock, im übertragenen Sinn aber auch den Anführer (Jesaja 14,9; Sacharja 10,3). [28] Vgl. Peter Behrens, Art. „Nacktheit“, in: Lexikon der Ägyptologie IV, 292ff.; vgl. zur griechischen Antike Dietrich Willers, Art. „Nacktheit“, in: Der Neue Pauly 8, 674-678. [29] Zainab Bahrani, Women of Babylon. Gender and Representation in Mesopotamia, London/New York 2001, bes. 59-65. [30] Die offene Diskussion um die Deutung der in Ägypten verbreiteten sog. „Beischläferinnen“, nackter Frauenstatuetten, die häufig in Gräbern gefunden wurden, muss hier ausgeklammert werden. [31] Bahrani 2001, bes. 70-95. [32] Vgl. ausführlich Christoph Uehlinger, Art. „Nackte Göttin, B. In der Bildkunst“, in: Reallexikon der Assyriologie 9, 53-64. [33] Auch in Mesopotamien veränderte sich die Einstellung zur Nacktheit, sie wurde im 1. Jahrtausend nur noch sehr selten dargestellt (nackte Kinder); vgl. Ursula Seidl, Art. „Nacktheit, B. In der Bildkunst“, in: Reallexikon der Assyriologie 9, 66-68. [34] In diesem Zusammenhang wäre auch das nicht ganz konvergierende Bild der Frauenbrüste in Texten und Bildern zu behandeln. In den Texten sind sie hauptsächlich mit Ernähren und Segenssymbolik assoziiert, seltener erotisch konnotiert, wenngleich die hebräischen Liebeslieder den Brüsten weit mehr Bedeutung zumessen als der Vulva. In den Bildern aber ist die erotische Funktion viel augenfälliger, da das Stillen von Kindern eher selten dargestellt wurde. [35] Vgl. dazu Silvia Schroer, Häusliche und außerhäusliche religiöse Kompetenzen israelitischer Frauen – am Beispiel von Totenklage und Totenbefragung (www.lectio.unibe.ch/02_1/inhalt_d.htm) [36] Josef Tropper, Nekromantie. Totenbefragung im Alten Orient und im Alten Testament (Alter Orient und Altes Testament 223), Kevelaer/Neukirchen-Vluyn 1989. [37] Angelika Berlejung, Die Theologie der Bilder. Herstellung und Einweihung von Kultbildern in Mesopotamien und die alttestamentliche Bilderpolemik (Orbis Biblicus et Orientalis 162), Freiburg CH/Göttingen 1998. [38] Selten legen Erzählungen nahe, dass auch Gott selbst sich in konkreter, voller Menschengestalt zeigt, z.B. wenn Abraham und Sara die drei Männer in Mamre gastlich bewirten oder wenn Jakob am Jabbok mit dem Unbekannten ringt. Theophanien überschreiten die menschliche Körperhaftigkeit. Gott erweist sich im Gewitter, im brennenden Dornbusch, im sanften Wind, in der Feuersäule oder Wolke. |
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Abbildungen:
©
Silvia Schroer, 2003, lectio@theol.unibe.ch, ISSN 1661-3317 |
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